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[Institut fuer Informatik] [Leerraum] [Humboldt-Universitaet zu Berlin]

Tips zur Gestaltung eines Seminarvortrages

Die folgenden Tips sind keine offiziellen Anforderungen oder Bewertungskriterien, sondern Anregungen, die z.T. aus der Erfahrung vorangegangener Seminare an der Technischen Universität München und der Humboldt-Universität zu Berlin entstanden sind. Sie sollen Ihnen Hilfe für einen erfolgreichen Vortrag sein.

Einige Tips sind dem Buch "Studien-Arbeiten: ein Leitfaden zur Vorbereitung, Durchführung und Betreuung von Studien-, Diplom- und Doktorarbeiten am Beispiel Informatik" von Marcus Deininger u.a. (1992, Abschnitt 6.5) entnommen. Dieses Buch ist auch für andere Arbeiten im Informatik-Studium sehr zu empfehlen.

Zeitlicher Rahmen im Vorfeld

  • Machen Sie eine (schriftliche) Zusammenstellung der von Ihnen untersuchten Literatur und besprechen Sie diese mit Ihrem/r Betreuer/in möglichst 4 bis 6 Wochen vor Ihrem Vortrag.
  • Fertigen Sie eine Gliederung Ihres geplanten Vortrages an und diskutieren Sie diese ca. 2 bis 3 Wochen vor dem Vortragstermin mit Ihrem/r Betreuer/in.
  • Fertigen Sie eine schriftliche Ausarbeitung (keine Kopie der Folien) von ca. 4 bis 8 Seiten Ihres Themas an, die zu Ihrem Vortrag verteilt wird.

Aufbau und Inhalte des Vortrags

  • Werden Sie sich zunächst über das Ziel ihres Vortrages klar. Was sollen die Zuhörenden nach dem Vortrag kennengelernt/verstanden haben/wissen? Erst dann ist es sinnvoll, über Inhalt und Aufbau des Vortrages nachzudenken.
  • Exzerpieren Sie dann das Wesentliche aus der zu bearbeitenden Literatur. Nicht alles, was Sie über das Thema zusammengetragen und gelernt haben, kann auch im Vortrag auftauchen. Es verlangt manchmal einige Überwindung, das Publikum nicht mit seinem umfassenden Wissen beeindrucken zu wollen.
  • Bemühen Sie sich, kritische Distanz zum Thema zu wahren. Versuchen Sie eine eigene Beurteilung des Stoffes, z.B. Eignung und mögliche Anwendungsgebiete bestimmter Verfahren, Vor- und Nachteile von Systemen.
  • Suchen Sie prägnante Beispiele, um abstrakte Sachverhalte besser darzustellen.
  • Zeigen Sie Formeln und Programmcode erst nach informeller Erklärung und erläutern Sie sie dann ausführlich. Anderfalls lassen Sie sie lieber gleich weg.

Zeitplanung für den Vortrag

  • Planen Sie die Redezeit mindestens 25% kürzer als die verfügbare Vortragszeit, um hinreichend Zeit zur Beantwortung von Zwischenfragen und zur anschließenden Diskussion zu haben.
  • Sollte einmal der (unwahrscheinliche) Fall eintreten, daß Sie bereits nach 2/3 der Zeit am Ende sind und alles, was Sie sagen wollten, gesagt haben, ist dies kein Beinbruch, sondern bietet im Gegenteil die Möglichkeit, eingehender zu diskutieren oder auch mal früher zu gehen. Aber eine Überziehung der Vortragszeit wird von den Zuhörenden meist als "Freiheitsberaubung" empfunden. Sie werden Ihnen dann kaum mehr Aufmerksamkeit schenken.
  • Bereiten Sie den Vortrag so vor, daß Sie bei Zeitnot etwa im letzten Drittel "abkürzen" können. Eine unauffällige Abkürzung kann durch den Verzicht auf einen Aspekt, einen Sonderfall, ein Beispiel erreicht werden. Eine Steigerung des Vortragstempos ist kein Ausweg! Die Zuhörenden können nicht dadurch schneller verstehen, daß Sie schneller sprechen.

Wirkung des Vortrags auf das Publikum

  • Ein Vortrag ist eine spezielle Form des Gesprächs, bei dem zwar Sie den überwiegenden Teil bestreiten, aber nichtsdestoweniger möchte jede/r Zuhörende angesprochen werden. Sehen Sie also in das Publikum und achten Sie auf dessen Reaktionen, sonst verlieren Sie den Kontakt und der Vortrag degeneriert zu einem Selbstgespräch. Ein Zwiegespräch mit nur einem Zuhörenden (z.B. Prof./Betreuer/in) ist nicht viel besser.
  • Eilen Sie nicht in konstantem Tempo durch Ihren Vortrag. Stellen Sie fest, daß ein Teil des Publikums nicht mehr folgen kann, geben Sie ihm durch einen Vergleich oder eine kurze Wiederholung die Möglichkeit, wieder aufzuschließen.
  • Gehen Sie auf Fragen aus dem Publikum während des Vortrages stets ein. Reagieren Sie nie abweisend oder unwirsch. Falls Fragen überhandnehmen und die Zeit für unverzichtbare (!) Teile des Vortrags knapp wird, sollten Sie dies den Zuhörenden mitteilen und sie darum bitten, Fragen möglichst erst nach dem Vortrag zu stellen.

Vortragsstil

  • Lesen Sie den Text des Vortrages nicht ab oder beten ihn auswendig herunter. Selbst eine manchmal stockend oder mit Pausen gehaltene, freie Rede ist lebhafter und damit für den Zuhörenden leichter zu verfolgen. Es kann jedoch sehr hilfreich sein, die ersten Sätze des Vortrags bzw. den ersten Satz zu jeder Folie auswendig zu lernen, da dann der Einstieg wesentlich leichter ist.
  • Wer wenig Erfahrung mit Vorträgen hat, sollte den vollständigen Vortrag mit den fertigen Folien unbedingt mindestens einmal -- möglichst vor kritischem Publikum, nur im Notfall allein -- im voraus halten. Solche Generalproben helfen auch zur Einschätzung der Vortragslänge.
  • Es empfiehlt sich meist, den Vortrag im Stehen zu halten, da dabei die Hände für Gestik frei und sichtbar sind. Jedoch sollten Sie dabei nicht nervös hin- und herlaufen, aber auch nicht wie festgenagelt an einer Stelle stehenbleiben.
  • Führen Sie beim Vortrag den Blick der Zuhörenden durch Zeigen auf Texte und Graphiken. Dazu können Sie mit einem genügend spitzen Gegenstand, z.B. Bleistift, direkt auf der Folie zeigen. Dies hat den Vorteil, daß Blickkontakt zu den Zuhörenden gut möglich ist, jedoch laufen Sie auch Gefahr einigen Zuhörenden die Sicht zu verdecken. Sie können auch mit einem Zeigestab an der Projektionsfläche zeigen. Dabei besteht allerdings die Gefahr, daß man sich vom Publikum abwendet und nur noch zur Leinwand spricht.
  • Ihre Merkzettel können leicht mal durcheinander geraten, sie sollten deshalb numeriert sein. Wenn zu viel darauf steht, verwirren sie mehr, als sie helfen.
  • Nennen Sie jeweils am Anfang ihres Vortrags Ihr Thema und Ihren Namen, soweit Sie nicht bereits vorgestellt wurden.
  • Stellen Sie beim Reden öfter Blickkontakt her. Machen Sie an wichtigen Stellen Redepausen. Sprechen Sie laut und deutlich. Reden Sie nicht zu schnell. Versuchen Sie, "Ähm"-Laute oder eingeschliffene ständige Phrasen zu vermeiden.

Folien

  • Eine Faustregel für die Anzahl der vorzubereitenden Folien ist: ca. 4 Minuten pro Folie (bei nicht zu kompliziertem Inhalt der Folie, ansonsten entsprechend länger).
  • Die Schriftgröße sollte mindestens 5 mm (ca. 15 pt) für kleine und 7 mm (ca.20 pt) für große Texte betragen.
  • Vermeiden Sie die Verwendung von zuvielen Schriftarten und -größen. Dies erzeugt lediglich ein unordentliches Bild. GROSSSCHREIBUNG ist schwer zu lesen. S p r e i z u n g und manchmal auch Fettdruck ist auf Folien nur schwer zu erkennen.
  • Jede Folie hat nur ein Thema. Erfordert dieses keine ganze Folie, so bleibt sie teilweise leer.
  • Zu jeder (wesentlichen) Aussage gehört eine Folie (oder zwei), zu jeder Folie eine Aussage!
  • Jede Folie (oder Gruppe von zwei bis höchstens drei Folien) braucht eine Überschrift. Auch aufmerksame Zuhörende haben hin und wieder Konzentrationslücken. Die Überschrift ermöglicht ihnen, in den Vortrag zurückzufinden.
  • Fortlaufende Texte gehören nicht auf Folien, nur Kernaussagen und Graphiken. Textkopien aus Büchern o.ä. sind sicher ungeeignet. Vorlagen (Bilder, Tabellen, Programme usw.) werden zunächst auf Papier kopiert und ausgeschnitten, bevor sie (vergrößert) auf Folie kopiert werden.
  • Vermerken Sie Autor/in, Datum und Numerierung unauffällig auf jeder Folie, so daß man auch später keine Mühe hat, sie richtig zu sortieren.
  • Was für eine Folie zu kompliziert ist, ist eben zu kompliziert -- kleine Schrift und die Erklärung "das können Sie wahrscheinlich nicht lesen" sind eine Zumutung, ebenso wie die Aussage: "Ich hätte noch eine Menge mehr Folien, die ich Ihnen aber nicht mehr zeigen kann." Mit diesen Killer-Phrasen demotivieren Sie alle Zuhörenden!
  • Folien im Querformat sind -- vor allem für niedrigere Räume -- oft besser geeignet als Folien im Hochformat.
  • Auf einer DIN-A4 Folie sollten bei Ausnutzung der ganzen Seite im Hochformat höchstens 15 Zeilen und im Querformat höchstens 11 Zeilen stehen.
  • Die Verwendung von Farben fördert i.a. die Übersichtlichkeit sehr. Beschriften Sie am besten in den Farben Blau, Schwarz und Grün. Rot sollten Sie allenfalls zur Markierung oder in Zeichnungen verwenden, Gelb am besten gar nicht.
  • Folien können ohne weiteres per Hand geschrieben und gezeichnet werden, wenn Ihre Handschrift dies zuläßt.
  • Bringen Sie zum Vortrag Leerfolien und Folienstifte für evtl. nötige Korrekturen oder Veranschaulichungen bei der Beantwortung von Fragen mit.
  • Auf der ersten Folien sollten das Thema und Ihr Name stehen. Sie sollte auch ein Verzeichnis der dem Vortrag zugrundeliegenden Literatur enthalten.

Ausarbeitung

  • Auf das Deckblatt gehören Titel, Semester und Veranstalter/in des Seminars sowie das Vortragsthema und der eigene Name.
  • Am Schluß der Ausarbeitung müssen sämtliche verwendeten Literaturstellen aufgeführt werden. Im Text ist auf die bezogene Literaturstelle zu verweisen.
  • Auch in der Ausarbeitung sollte mit der Anzahl der Schriftarten und -größen sparsam umgegangen werden. Hier sollten GROSSSCHREIBUNG, S p r e i z u n g und Unterstreichung vermieden werden. Hervorhebungen gehen am besten mit Kursivdruck, evtl. auch Fettdruck.

Literatursuche

  • Die Bearbeitung Ihres Themas kann es notwendig machen, weitere Literatur zu diesem oder angrenzenden Themen zu suchen. Im allgemeinen finden sich Literaturhinweise in der Literaturliste am Schluß des jeweiligen Artikels oder Buches.
  • Es hat übrigens wenig Sinn, nach ausschließlich deutschsprachiger Literatur zu den Seminarthemen zu suchen: Die wesentliche (und am weitesten verbreitete) Publikationssprache in der Informatik ist Englisch.
  • Bitte denken Sie daran, daß eigene Literaturrecherche und -aufarbeitung zu den Anforderungen eines Seminars zählen
  • Bei der Suche nach ergänzender Literatur kann Ihnen die folgende Liste von im Bereich der Datenbanksysteme bedeutenden Konferenzen und Zeitschriften hilfreich sein.

Literaturreferenzen

  1. A. Bänsch. Wissenschaftliches Arbeiten - Seminar- und Diplomarbeiten. Oldenbourg Verlag, 1994.
  2. K. Berger. Merkblatt zur Gestaltung eines Seminarvortrages . Fakultät für Informatik, TU München, Nov. 1993.
  3. M. Deininger, H. Lichter, J. Ludewig, K. Schneider. Studien-Arbeiten: ein Leitfaden zur Vorbereitung, Durchführung und Betreuung von Studien-, Diplom- und Doktorarbeiten am Beispiel Informatik. vdf, Zürich, Teubner Verlag, 1992.
  4. H. F. Ebel, C. Bliefert. Vortragen - in Naturwissenschaft, Technik und Medizin. VCH Verlagsgesellschaft, 1994.
  5. H. F. Ebel, C. Bliefert. Schreiben und Publizieren in den Naturwissenschaften. VCH Verlagsgesellschaft, 1994.
  6. H. F. Ebel, C. Bliefert. Diplom- und Doktorarbeit - Anleitungen für den naturwissenschaftlich-technischen Nachwuchs. VCH Verlagsgesellschaft, 1994.
  7. B. Freitag. Merkblatt zum Hauptseminar. Fakultät für Informatik, TU München, WS 1993/94.
  8. G. Rückriem, J. Stary, N. Franck. Die Technik wissenschaftlichen Arbeitens. Verlag Ferdinand Schöningh (UTB 724), 1994.
  9. B. Schlüter. Rhetorik für Frauen - Wir sprechen für uns. Ullstein, 1993.
  10. E. Standop. Die Form der wissenschaftlichen Arbeit. Quelle und Meyer Verlag (UTB 272), 1994.


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